War es Allah selber, der diese wunderbare Droge bescherte?

Nach der islamischen Legende soll der Erzengel Gabriel dem Propheten Mohammed mit dem schwarzen Gebräu von einer schweren Schlafsucht geheilt haben. Schon ein paar Schlückchen von dem Zaubertrank ließen Mohammed wach und stark erscheinen. (Näheres in dem Buch: »Kaffee - die kleine Schule« ISBN 3-932023-12-9 aus dem Zabert Sandmann Verlag)
 

Schöner empfinde ich die Geschichte vom Ziegenhirten (erinnert mich an die Geschichte vom Mönch und der Entdeckung des Tees). In der Nähe eines Klosters (Schehodet) im Jemen am Roten Meer wunderte sich ein Ziegenhirte darüber, dass seine Herde noch mitten in der Nacht fröhlich meckernd umhersprangen und er so keinen Schlaf finden konnte. Er beobachtete darauf seine Herde noch genauer und fand heraus, dass seine Tiere an den roten und grünen Früchten eines Strauches knabberten. Dies berichtete er den Mönchen und diese trockneten darauf hin die Beeren, zerstießen sie zu Pulver und schütteten es in heißes Wasser. Sie kosteten das Ergebnis und kamen so in den Genuss des ersten Kaffees.
 


Die Wirklichkeit des Kaffees:

Im Hochland von Äthiopien, in den Bergwäldern des alten Königreiches Kaffa, liegt die Urheimalt des Kaffeestrauches. Sein Name leitet sich aber nicht von KAFFA ab sondern von dem altarabischen Wort: qahwah – womit ursprünglich der Wein gemeint war, der dem frommen Moslem verboten war. Die Türken nannten ihn: kahweh. Wegen der Wirkung der Kaffeebohne – anregend und leicht berauschend – wurde das Kaffeegebräu zum »Wein des Islams« und unterband so das Durchsetzen des vergorenen Traubensaftes. Das Wort oder der Begriff Mocca leitet sich allerdings wirklich von der Hafenstadt »Mokka« ab. Und er steht für starken, arabischen Kaffee.

Lange bevor die Bohne zu dem wurde was wir heute unter Kaffee verstehen, gab es sie natürlich schon. Den Kaffeebaum  ist sicher nicht eine Neuzüchtung. Er hat geblüht und Früchte getragen. Die Urheimat dürfte Äthiopien, dort das abessinische Hochland, vielleicht die Provinz Kaffa, gewesen sein. Die Annahme, dass die in dieser Region lebenden Menschen die Früchte des Baums gekannt haben, ist nicht von der Hand zu weisen. Eine Veredlung der Kaffeebohne durch den Röstprozess und die Zubereitung eines Getränks ist jedoch sehr unwahrscheinlich und lässt sich nicht nachweisen. Anzunehmen ist, dass die Frucht von Nomadenstämmen gekaut wurde.

Ab dem 9. Jahrhundert gewann man aus den Früchten dieser noch wild wachsenden Pflanze ein Getränk. Vielleicht wurde hier eine Mischung aus Wasser und vergorenem Saft der Kaffeekirsche gereicht. Jedenfalls entdeckte man später, dass getrocknete und zerstoßene Bohnen viel wirksamer zubereitet werden konnten und ungleich mehr Aroma boten, als die unbehandelte Kirsche.

1015 erkannte dann der Arzt und Philosoph Ibn Sina (aus Arabien) die stimulierende Wirkung des Kaffees und verwendete ihn als eine Art Heilmittel. (Coca Cola war ja auch irgendwann einmal mehr Medizin als Getränk).

Im 11. Jahrhundert pflanzten dann die Araber bereits Kaffee auf künstlich bewässerten Küstenhängen des roten Meeres an. Geröstet wurde (im Jemen) auf Steinplatten – diente ursprünglich wohl der Beschleunigung des Trocknens – und so erhielt man den Vorläufer des Filterkaffees.

Seit Mitte des 15. Jhdt. scheint Kaffee in Arabien getrunken worden zu sein. Dies geht aus einem berühmten arabischen Manuskript aus dem Jahr 1587 über den Kaffeeverbrauch hervor. Es stammt von Abd-al-Kafir und wird in der Pariser Nationalbibliothek aufbewahrt. Die Schrift basiert auf Aufzeichnungen eines Arabers namens Shihab-ad-Din, die gut 100 Jahre älter sein sollen, aber nicht mehr in schriftlicher Form vorliegen. Ältestes Transportmittel für den Kaffee war damals das Kamel.

Das tolle am Kaffee war, dass er wach hielt. Und so wurde der rabenschwarze Trank bei den Gebetsstunden in den Moscheen getrunken. Und schon bald entstanden die ersten Kaffeestuben. Diese »Schulen der Weisheit« wurden im 15. Jahrhundert an der Kaaba – der heiligen Städte in Mekka – eröffnet und setzten ihren Zug immer weiter fort. Bald schon nahmen sie an den heiligen Stätten des Islams – also in Mekka und Medina überhand. Es waren Treffpunkte für Männer, die dort Backgammon spielten, rauchten und – wie so oft – schwafelnd anfingen zu politisieren. Daher betrachtete der Islam den Kaffee auch als Droge.

1511 brach daher auch ein Streit darüber aus, ob Kaffee eher nützlich oder schädlich sei. Dieser politisch-religiös motivierte Kampf führte 1511 zur Schließung der Kaffeeschänken in Mekka durch Khair-Beg, dem Statthalter des ägyptischen Sultans. Das »lose Gerede« der Männer störte ihn gewaltig und der »Teufelstrank« wurde eh von den Schriftgelehrten des Korans verboten. Zum Glück kam es zum Kampf zwischen weltlicher und kirchlicher Macht. Zu sehr waren die Menschen an das Getränk und die Lebensphilosophie gewöhnt, zu sehr liebte es auch der Sultan von Kairo. Und so hob dieser das Verbot einfach wieder auf (viel weiser als unsere Politiker, die auch wissen was gemacht wird, es selber nutzen und genießen, aber anderen verbieten). Gerade die unzähligen Pilger, die das Heiligtum der Mohammedaner in Mekka besuchten, dürften die Kunde von dem neuen Getränk verbreitet haben.

1517 - Von nun an sollten die Türken über einen Zeitraum von rund 100 Jahren die Ausbreitung des Kaffees zu ihrer Sache machen. Sultan Selim I., Herrscher über das Osmanische Reich, hatte sich Syrien, Jemen und Ägypten einverleibt. Im Jahre 1517 war die letzte Bastion, das Kalifat Kairo, gefallen. Mekka und Medina kamen zum gleichen Zeitpunkt unter türkische Herrschaft.

1. Hälfte 16. Jahrhundert - Die Expansion des auf dem Höhepunkt seiner Macht stehenden Osmanenreiches trug den Kaffee in alle Winkel der beherrschten Gebiete. So spielte Kaffee sowohl in Arabien wie auch in Kleinasien, Syrien, Ägypten und im südöstlichen Europa eine zunehmend wichtige Rolle. Überall entstanden Kaffeehäuser, in denen man sich dem öffentlichen Genuss des Getränks hingeben konnte.

1530/1532 Es wurden die ersten Kaffeehäuser in Damaskus und Aleppo, zwei städtischen Siedlungen in Syrien, eröffnet.

Wichtig ist dann die Eröffnung des ersten Kaffeehauses in Konstantinopel. Es war 1554. Die Türken nahmen die Lehre des Propheten mit dem Getränk auf und machten aus der Zubereitung des Gebräus aus gerösteten Bohnen eine Kunst.

Ein Türke trinkt Kaffee - ein Chinese Tee - ein Indianer KakaoIn der westlichen Literatur wird dann der Kaffee 1582 erstmalig erwähnt.

Der Augsburger Medicus Leonhart Rauwolf bereiste in den Jahren 1573 - 1576 den vorderen Orient und lernte in Aleppo den Kaffee kennen. In seinem Reisebericht aus dem Jahr 1582 beschreibt er als erster Europäer das Getränk, den Ausschank und den Grundstoff. Er weiß von dem Getränk folgendes zu berichten: „Under andern habens ein gut getränck / welliches sie hoch halten / Chaube von jenen genennet / das ist gar nahe wie Dinten so schwartz / unnd in gebresten / sonderlich des Magens / gar dienstlich."

1592 - Der italienische Arzt und Botaniker Prosper Alpinus bereiste im Zuge venezianischer Handelsaktivitäten Ägypten vom Jahr 1580 an. Ein Ergebnis dieser Reise war das Werk „De Plantis Aegypti Liber", das 1592 in Venedig erschien und in schriftlicher Form die ersten detaillierten Zeichnungen sowie Beschreibungen der Kaffeepflanze und -frucht enthielt.

Die ersten Kaffees kamen bereits 1595 nach Europa. Es handelte sich dabei wohl um Kaffeesamen die nach Holland gelangt sind, wohl mehr als Kuriosum. Neugierig geworden durch die Reiseberichte brachten dann unbekannte Handelsreisende Kaffeebohnen als Proben oder sackweise nach Europa.

Der Kaffeehandel im 16. Jahrhundert:  Die arabisch-türkische Welt bezog ihre Kaffeebohnen fast ausschließlich aus dem Südjemen. Hauptausfuhrhäfen waren die Städte Mocha am Roten Meer und Jiddah, der Vorhafen Mekkas.

Der Kaffeehandel im 16./17. Jahrhundert - Die Ausbreitung des Kaffee-Anbaus und die systematische Kultivierung auf vier Kontinenten nahm ihren Anfang. Mit dem steigenden Bedarf im Osmanischen Reich kam das arabische Kaffeemonopol immer stärker unter Druck. Anfänglich hatten die arabischen Pflanzungsbesitzer und Fernhändler den Kaffee-Anbau zum Staatsgeheimnis" erklärt. Strenge Bewachung und die Beseitigung der Keimfähigkeit der Bohnen durch heißes Wasser sollten die Aussaat an anderer Stelle. Mit dem wirtschaftlichen Aufstieg der europäischen Nationen und dem Erstarken ihrer Handelskraft bemächtigten sich diese nach und nach des Produktes Kaffee. Speziell die Holländer versuchten in den Besitz von keimfähigen Bohnen zu kommen. 1616 dürfte ihnen das zum ersten Mal gelungen sein. Mit den Gründungen der Ostindischen Kompagnie (1602) und Westindischen Kompagnie (1621) gelang es den Holländern, ihren Einfluß und ihre Handelsinteressen auf alle Erdteile auszudehnen. Sie waren es, die 1648 Kaffeepflanzen nach Ceylon brachten, später dann systematisch den Anbau auf Java, Sumatra, Bali, Timor und Celebes begannen.

Doch wieder zurück zur Chronologie:

1615 bringen Händler das Gold des Orients nach Venedig. Kein leichtes Unterfangen, denn die arabische Welt hütete das Geheimnis des Kaffees viel mehr als das des Glaubens (auch hier erinnert es an Coca Cola). Venedig war damals das Zentrum des Orienthandels. 1624 traf dann endlich ein größerer Kaffeetransport in Venedig ein. (Von nun an gilt: Neben den Hafenstädten, wie z.B. London, Amsterdam, Marseille und Bremen/Hamburg, entwickelten sich auch Städte jenseits der Nordgrenzen des osmanischen Reiches zu Zentren des Kaffeeverbrauchs.)

1631 - ein ganz wichtiges Datum - die erste deutsche Kaffeeprobe. Sie fand im Haus eines Merseburger Kaufmannes statt. Ein Geschäftsfreund hatte ihm eine Probe von diesem braunen Pulver aus Amsterdam geschickt. Und so traf man sich zum Test des Geschmacks der weiten Welt. Doch leider - damals bestand das deutsche Frühstück ja typisch aus Mehl-, Bier-, oder Wassersuppe und Bier als Getränk - leider bereitete die Ehefrau den Kaffee nicht mit Wasser sondern mit nahrhafter Hühnerbrühe zu. Ein erster Fehlschlag - probieren sie es doch auch mal - doch Gott sei dank nicht so schlimm.

1645 In Venedig eröffnet das erste Kaffeehaus auf dem Markusplatz seine Tore. Auch heute gibt es dort – mit wunderbarer Musik – einen herrlichen Genuss von Kaffee, allerdings nicht mehr in einem orientalischen Kaffeehaus.

Von der Zeit an kann von einem regen Handel mit Kaffeebohnen gesprochen werden. Nach und nach machten in vielen Städten Kaffeehäuser auf:


1683 - Vor Wien wurden die Türken vernichtend geschlagen. Den Siegern fiel eine unermessliche Beute in die Hände und der polenstämmige Franz Georg Kolschitzky, der sich während der Belagerung von Wien durch die Türken große Verdienste um die Stadt erworben hatte, erhielt als Geschenk die zurückgelassenen Kaffeebestände und die Erlaubnis für den Ausschank von Kaffee. Damit war Wien mit seinen Kaffeehäusern zwar ein wenig später dran als andere europäische Städte, es könnte aber stimmen, dass in dieser Stadt aus dem schwarzen „Türkentrank" durch den Zusatz von Honig und Sahne ein Getränk wurde, das so manchem europäischen Gaumen besser mundete als das Original.

Aber auch in Europa gab es ein Kaffee-Problem. Dem Kaffee wurde etwas teuflisches nachgesagt. Christliche Fanatiker forderten den Papst Clemens den VIII auf, diesen heidnischen Trank zu ächten. Doch zum glück verfügte er über genug Weißheit und Geschmack. Bevor er ein Verbot aussprechen wollte, wollte er sich darüber im Klaren sein, was er denn da Verbieten würde. Also wurde ihm eine Tasse von duftendem, heißem Kaffee gereicht und er trank. Mit einem milden lächeln verkündete er dann: »Dieser Trank ist so köstlich, dass es eine Sünde währe ihn den Ungläubigen zu überlassen. Wir wollen den Satan bezwingen und den Kaffee taufen.« Der europäische Siegeszug des Kaffees hatte begonnen.

18. Jahrhundert - Dieser Zeitraum stand ganz im Zeichen der Revolutionierung der Kaffee-Erzeugung. Von den Kolonialmächten wurde die Kaffeepflanze nach und nach in alle Gebiete der Erde gebracht, die für den Kaffee-Anbau geeignet waren. Diese Expansion wäre nicht möglich gewesen, wenn es nicht parallel dazu den Siegeszug des Kaffeegetränks in Europa und Nordamerika gegeben hätten.

So war Kaffee sowohl als Pflanze als auch als Getränk auf dem Vormarsch. Er wurde zu einem Produkt von weltwirtschaftlichem Rang. Als Importware gewann er innenpolitische Bedeutung in den Konsumländern. Mit der beginnenden Industrialisierung avancierte er zum Heißgetränk für alle Schichten und wurde damit zu einem Haushaltsartikel, der jeden einzelnen interessierte.

Mit der Popularisierung des Getränks waren viele Probleme zu lösen: Gegenstände zur Zubereitung mussten entwickelt oder den neuen Bedürfnissen angepasst werden. Zölle und Steuern wurden eingeführt, um einerseits den Devisenabfluss zu bremsen und andererseits das Staatssäckel zu füllen. Die jeweiligen Herrscher beanspruchten das Monopol auf den Kaffeeverkauf oder versuchten, den Konsum durch Verbote zu verhindern. Die Idee des Kaffee-Ersatzgetränks wurde geboren.

1718 ließ der Stadthalter von Batavia (Djakarta) Kaffeesamen nach Südamerika, und zwar Niederländisch Guayana (Surinam), bringen. Aber auch Franzosen und Engländer waren aktiv in der Verbreitung des Kaffees in Lateinamerika. Besonders Seekapitäne oder Kolonialoffziere spielten eine wichtige Rolle bei der Verbreitung des Kaffees. Sie waren es, die häufig unter größten Anstrengungen Kaffeepflänzchen in die neuen Kolonien brachten. Gabriel de Clieu bringt die empfindlichen Kaffeepflanzen von Amsterdam nach  Martinique. Berühmt ist die Geschichte vom jungen französischen Marineoffizier de Clieu, der 1723 Kaffeebäumchen aus dem „Jardin des Plants" in Amsterdam über den Atlantik nach Martinique brachte. Seeräuber konnten abgewehrt werden, Stürme wurden überstanden und das knappe Trinkwasser musste mit den vielen Kaffeepflänzchen geteilt werden.

1726 - Wann und unter welchen Umständen der Kaffee in Brasilien, dem später wichtigsten Produktionsland der Erde, eingezogen ist, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen.Offiziell wurde die Geburtsstunde des brasilianischen Kaffee-Anbaus in das Jahr 1726 gelegt, denn 1926 wurde das 200jährige Jubiläum des „Cafeeiro" (portugiesisch für Kaffeestrauch) gefeiert. Ob die ersten Pflanzen von Surinam (aus holländischem Besitz) oder von Martinique (aus französischem Besitz) in das Land gelangt waren, muss offen bleiben.

Schwer war es für die Deutschen an Kaffee zu kommen. Zum einen fehlte dem zersplittertem Land die Kolonie, in der Kaffee angebaut werden konnte. Und dann waren da die irre hohen Kosten, welche das Beschaffen von Kaffee forderte. Und das Geld floss nach England und Frankreich, somit direkt in die Kriegskassen der Feinde. Daher lag es nahe, dass Friedrich der Grosse (1712 – 1786) den Kaffee verbot – wenigstens für den normalen (gemeinen) Bürger. Er führte den »Brennschein« ein, eine Rösterlaubnis für hohe Stände, die es sich leisten konnten, und ernannte Schnüffler, die durch das Land zogen und private Röster aufspürten. Unerlaubter Kaffeegenuss wurde mit 10 Reichstalern oder 14 Tagen Gefängnis oder aber einer eben so langen Arbeitslagertätigkeit geahndet. »Kaffe ist undeutsch (ja, die Deutschen lernen einfach nix aus der Geschichte – oder kennen sie noch nicht mal) Zurück zum Bier« lautete der Wahlspruch. Und mit der morgendlichen Biersuppe erlebte das deutsche Brauereiwesen wieder einen enormen Aufschwung.

1769 war es dann leider soweit. Die erste Zichorienkaffeefabrik auf deutschem Boden nahm in Braunschweig ihren Betrieb auf. Aus dem Ersatzkaffee aus gebrannter Gerste, Eicheln, Malz oder Rüben wurde ein Wirtschaftsprodukt. Zutat war die Wurzel der Wegwarte und das Produkt sah so einiger maßen wie Kaffee aus. Richtig volkstümlich wurde der Kaffee-Ersatz dann allerdings erst, als Kaffee von Staats wegen zu teuer oder gar verboten wurde, und Napoleon im Jahre 1806 versuchte, durch die Kontinentalsperre England vom europäischen Markt abzudrängen. Der sogenannte Kontinentalkaffee, ein Surrogatkaffee, war geboren. Doch immer trank der kleine Mann seinen Muckefuck mit dem bitteren Gefühl der Minderwertigkeit.

Es dauerte noch einiges an Zeit – erst musste der Muckefuck erfunden und noch schlimmer getrunken werden – bis die Deutschen dann im 19. Jahrhundert zum Volk der meisten Kaffeetrinker wurden. Und so war es nicht überraschend, dass im Jahr 1820 ein deutscher Chemiker (Ferdinand Runge) das Coffein entdeckte oder besser herausanalysierte.

1830 - Während auf deutschem Gebiet das Kaffeetrinken eher zu einer privaten Angelegenheit wurde, sinnierte Honoré de Balzac in seiner Novelle „Massimilla Doni" über die soziale und politische Rolle des Kaffeehauses: „Das Café Florian in Venedig ist ein Advokatensprechzimmer, eine Börse, ein Theaterfoyer, ein Klub, ein Lesekabinett ...Natürlich wimmelt es im Café von politischen Spionen; aber ihre Gegenwart schärft das Genie der Venezianer, dass sie die jahrhundertalte ererbte Wachsamkeit nicht vergessen..."

Kaffee war endgültig zum Volksgetränk geworden. Der wohlhabende Bürger genoss ihn morgens und nachmittags. Von den ärmeren Schichten wurde Kaffee als eine Art Universalmahlzeit genutzt. Den ganzen Tag über stand das Kaffeegetränk zumeist in Form von Kaffeesuppe mit Brotbrocken auf dem Herd. Das hatte allerdings weniger mit Genusssucht zu tun, sondern eher damit, dass Industrialisierung und Verarmung breiter Bevölkerungsschichten die Zubereitung von vollständigen und nahrhaften Mahlzeiten nicht zuließ und Kaffee immerhin munter machte und die Hungergefühle dämpfte. Eine Streckung des teuren Kaffees mit Surrogaten wie z.B. Zichorie war durchaus üblich.

1898 - Die Kaffeesorte Robusta wurde im großen Kongobogen in Afrika entdeckt. Heute liefert diese Kaffeesorte rund 30% der Weltproduktion.