Der Kaffee muss heiß wie die Hölle,
schwarz wie der Teufel,
rein wie ein Engel,
süß wie die Liebe sein.

Charles Maurice Talleyrand
(1754-1838 – französischer Diplomat)




Oh waren das früher schöne Zeiten. Nein, keine Angst, sie waren nicht besser, auf keinen Fall, aber es waren schlichtweg einfachere Zeiten, wenigstens für Kaffee-trinker. Man wusste: »draußen gibt es nur Kännchen« und drinnen konnte man alles bekommen: eine Tasse Kaffee oder ein ganzes Kännchen. Und damit hatte es sich. Natürlich, da gab es die Kaffeespezialitäten: Rüdesheimer Kaffee zum Beispiel aber das waren Besonderheiten. Der »Pharisäer« war in unseren Breiten nicht bekannt.

Irgendwann kam dann der Umbruch. Die Jugend eroberte die Kaffeewelt. Studenten, die bis 17:00 Uhr frühstückten, wuchsen heran. Die Milchschaumschlürfer mit der Bierfahne vom Abend erschienen. Die Kekseintunker mit dem Stempel auf dem Handrücken, das eindeutige Zeichen, gegen die elterliche Weltvorstellung und das konservative Wertesystem gekämpft zu haben. Es war das Gefühl von: »Ich lebe. Ich war gestern bis spät Nachts auf einer Fete und schaut, ich kann trotzdem (gegen Mittag) aus dem Bett steigen und Frühstücken«.

Seltenheiten wurden die alten, vom 4711 Duft umwobenen Damen mit Strickjacken, und dem ständigen Hut auf dem Kopf, den sie nicht einmal im Sommer ablegten (mittlerweile weiß ich auch warum) und ihre nette Begleitung, der Herr, der bei einem Stückchen Baumkuchen und einem Kännchen Kaffee seriös mit der Dame plauderte. Kurz eine Cafe-Besuchergruppe schied dahin, eine andere kam.


Ein Teil ist verstorben, der andere ist selber alt geworden und ein Jüngere ist nachgerückt. Wieder mit einem neuen Kaffee-Verständnis. Nicht mehr der Eimer mit Milchschaum ist gefragt, die Jumbo-Tasse in die ein ganzes Brötchen getunkt werden kann, sondern Kaffee-BonBons haben ihren Weg in den modernen Wortschatz gefunden: »Espresso Macciato« ist vielleicht die größte geforderte Unverschämtheit, die unglaublichste Banalisierung einer Spezialität aus dem Mund der jungen Leute.

Das Erschreckende an dem ganzen ist, dass oft weder das Personal der Cafés noch der gemeine Besteller eigentlich weiß, was er da eigentlich bestellt. Grund ist sicher, die olfaktorische Minderbegabung der Etschbo und »Fast-Food«-Generation. Das chikie-mickie Verhalten der ungebildeten Gebildeten und der geistigen Elite, die den Wert im Außen erkannt hat, aber nicht um den inneren Wert von Kaffe weiß.

Aber – wie dem auch sei: Mein kleines Kaffee-ABC kann da Abhilfe schaffen. Und – das meine Bitte an alle Cafes – wenn die Gastronomie nicht in der Lage ist, den Unterschied zwischen Espresso – Cappuccino – und Kaffee zu erklären und umzusetzen, wie soll es der ungebildete Geschmack des Konsumenten schaffen?



 


 

 

Und dann ist da noch das Kleines Kaffee-Einmaleins aus dem »Wiener Cafe-Haus«:

 


Kennen sie noch eine moderne Kaffee-Kreation? Etwas das hier unbedingt fehlt?
Schreiben sie mir:
© baraka